Vorstellung des historischen Modells der Laurentiuskirche
Pressebericht der Gelnhäuser Neue Zeitung vom 18. Januar 2026
(hg) Zu einer besonderen Vorstellung lud der Förderkreis Laurentia dieser Tage ein. In akribischer Recherche und Kleinarbeit hatten Fachleute die mittelalterliche Laurentiuskirche rekonstruiert und in einem Modell anschaulich gemacht. Ausgangspunkt für dieses Projekt waren archäologische Entdeckungen im Sommer 2018, als im Zuge notwendiger Sanierungsmaßnahmen der Fußboden im Kirchenschiff entfernt wurde. Dabei traten überraschend die Grundmauern des ursprünglichen Kirchenschiffs aus dem 12. Jahrhundert zutage.
Zahlreiche Geschichtsinterressierte und Projektbegleiter hatten sich zur Vorstellung am Freitagnachmittag, der von Harfenistin Karin Reitz musikalisch begleitet wurde, in der Laurentiuskirche eingefunden. Der Vorsitzende des Förderkreises Laurentia Martin Logsch begrüßte insbesondere Bürgermeister Mathias Schmitt, Bürgermeister a.D. Manfred Weber mit Frau, Thomas Dickert von SPESSARTregional e.V., Claus Bergmann von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Main-Kinzig-Kreises, Vertreter des Gemeindevorstandes und der politischen Gremien, den katholischen Pfarrer Ryszard Bojdo, sowie Dr. Jürgen Jung von der Burglandschaft Spessart Odenwald e.V., der das Modell der historischen Kirche gebaut hat.
„Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Herzlich Willkommen zu Einweihung des Modells der Laurentiuskirche, wie sie im Mittelalter ausgesehen hat“, eröffnete Pfarrer Matthias Fischer die kleine Feierstunde. „Die Menschen im Mittelalter bauten die Laurentiuskirche als Ausdruck ihres Glaubens. Sie wollten ein Gotteshaus, in dem sie Zuflucht fanden, Zuflucht vor Krieg und Gewalt, Zuflucht vor den schwierigen Lebensbedingungen, Trost in ihrem Leiden und ihrer Trauer. Ein Gotteshaus, in dem sie sich von einem Gott gesehen fühlten. Gesehen als Individuum von Gott. Nicht nur ein Leibeigener ohne Rechte, nicht nur eine Arbeitskraft, aus der man noch das allerletzte bisschen Steuern und abgaben herauspressen konnte. Diese Kirche war wie ein Fenster, von dem aus sie in den Himmel schauen konnten.“
Der Vorsitzende des Förderkreises, Martin Logsch, berichtete über die Entstehung des Förderkreises und die eingeleiteten Renovierungsmaßnahmen in und an der Laurentiuskirche. Als im Jahr 2005/2006 festgestellt wurde, dass sich der Turm der Kirche durch Fäulnis zur Seite neigte, sei der Schrecken groß gewesen. Aus Sicherheitsgründen durften die Glocken ab sofort nicht mehr läuten. „Das Ergebnis der Untersuchungen war niederschmetternd. Das Dach mit den Holzbalken wies erhebliche Schäden auf und die Dachkonstruktion hatte sich um 20 cm gesenkt. An den Kirchenbänken und im Unterbau waren erhebliche Fäulnisschäden. Ferner wurde Holzschädlingsbefall und ein Hausschwamm festgestellt. Schnell wurde klar, dass die finanziellen Rücklagen der Kirchengemeinde für eine Renovierung nicht ausreichen würden. So kam die Idee auf, einen Förderkreis zu bilden. Dieser sollte dann durch Mitgliedsbeiträge, das Sammeln von Spenden und der Durchführung von Veranstaltungen Gelder für die Renovierung sammeln“, so Logsch. Im März 2006 war dann die Gründungsversammlung, an der 100 Mitglieder dem Förderkreis beitraten. In den Folgejahren wurde enormes geleistet, damit die Laurentiuskirche der Nachwelt erhalten bleibt. Die Kosten für die Renovierung des Dachstuhls und der Innendecke betrug 450.000 Euro. Hier ging noch einmal der Dank an die Gemeinde Biebergemünd, die sich mit 200.000 Euro daran beteiligte. Das Landesamt für Denkmalpflege steuert 100.000 Euro dazu bei. Zuschüsse gab es auch von der Landeskirche und vom Kirchenkreis und der Förderkreis hat 100.000 Euro dazu beigesteuert. „Durch den unermüdlichen Einsatz vieler konnten wir vom Förderkreis schon über 300.000 Euro in die Erhaltung der Laurentiuskirche einbringen“, freute sich Logsch. Doch noch ist das nicht Ende der Fahnenstange. Die notwendigsten Arbeiten zur Erhaltung der Baustruktur sind Gott sei Dank im Wesentlichen abgeschlossen. Weitere Arbeiten insbesondere an der Fassade werden noch etliche Spendengelder benötigen.
Peter Nickel berichtete im Anschluss über den Ansporn die historische Gestalt der Laurentiuskirche wieder lebendig werden zu lassen. Die Grabungsergebnisse im Jahr 2018 förderten die historischen Grundmauern der mittelalterlichen Wehrkirche zutage, ein vor ihrer Zerstörung im Jahr 1636 in Stein gesetztes Mauerwerk von 3 Schuh, was 96 cm entspricht. Sie verlaufen im Kircheninnern ca. 1 Meter parallel zu den Außenwänden. „Diese und weitere Grabungsergebnisse führten im Vorstand des Förderkreises Laurentia zur Idee ein Modell der mittelalterlichen Laurentiuskirche bauen zu lassen“, erklärte Nickel. In der Folgezeit sei die Idee aus Kostengründen immer wieder zurückgestellt worden. Bis im Frühjahr 2025 Dr. Jürgen Jung vom „Burgland Spessart und Odenwald“ Projekt den Hinweis gab, ein Kostenbeteiligung bei „Spessart Regional“ zu stellen. Dem detaillierten Antrag unter anderem mit einer touristischen Bewerbung des Projektes wurde bewilligt und nun seien alle Arbeiten abgeschlossen und das Modell stünde zur Besichtigung bereit.
Was die Kirche für die damaligen Menschen bedeutete, zitierte Nickel aus dem Weltbuch von Sebastian Franck und Sebastian Münster über den Bauernstand nach 1525: „Das mühselige Volk der Bauern, Kübler und Hirten ist der vierte Stand, deren Behausung, Leben, Kleidung und Speisen sehr dürftig ist. Diese führen gar ein schlecht und niederträchtiges Leben. Ihre Häuser sind schlechte Häuser, von Kot und Holz gemacht, auf das Erdreich gesetzt und mit Stroh gedeckt! Und dann war da auf der Anhöhe über den Häusern stehend ein aus Stein errichtetes Gotteshaus, zu dem sie täglich demütig und bewundernd aufschauten. Für unsere Vorfahren, damals ein monumentales Bauwerk. Unser Blickwinkel auf dieses Bauwerk ist heute ein völlig anderer und doch kommen in den letzten Jahren immer mehr interessierte Besucher und Besuchergruppen hier in unsere Kirche und wollen möglichst viel über die Geschichte der Laurentiuskirche erfahren und das ist auch der Grund warum wir uns gerne dieses Modell gewünscht hatten“, schloss Nickel seine Ausführungen.
Mit knapp 10.000 Euro Gesamtkosten wäre dieses Projekt für den Förderkreis Laurentia nicht zu stemmen gewesen. Dank der Kostenbeteiligung von SPESSARTregional e.V. in Höhe von 60%, einem Zuschuss der Gemeinde Biebergemünd, der Burglandschaft Spessart Odenwald, einiger privater Spender und der Kirchengemeinde konnte ein Stück Heimatgeschichte anschaulich für die Nachwelt gesichert werden.
Das Modell wird einen zentralen Platz in der Laurentiuskirche finden und bei kirchlichen und kulturellen Veranstaltung, sowie bei besonderen Führungen für die Öffentlichkeit zugänglich sein.





